Die Anfänge waren turbulent

Am 1. Juli dieses Jahres ist die WGW Wittenberge 25 Jahre alt geworden. Eine lange Zeit mit komplexen Aufgaben im Bereich der Stadtentwicklung. Die jüngsten Ergebnisse konnten Sie auch in diesem Magazin bewundern, aber der Anfang war alles andere als ein Spaziergang. Wir haben WGW-Geschäftsführer Torsten Diehn nach dieser Zeit genauer befragt.

Die Nachwendezeiten waren auch in Ihrer Branche turbulent. Wie erging es der WGW damals? Torsten Diehn: Die Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Wittenberge mbH, kurz WGW, ging ja aus der Kommunalen Wohnungsverwaltung bzw. dem VEB Gebäudewirtschaft mit Gründung im Jahr 1991 hervor. Zu dieser Zeit kam eine Flut an Restitutionsansprüchen auf uns zu. Viele Alteigentümer wollten Ihr Eigentum zurück. So blieben von den etwa 6.000 Wohnungen im Jahre 1989 nach Rückführung an Alteigentümer und Verkauf in Folge von Privatisierung Ende 2000 noch etwa 4.100 Wohnungen im Bestand der WGW. Zu dieser Zeit, sogar bis 1996, wurden die Wohnungen der WGW noch fremdverwaltet. Das machte es noch schwieriger.

Zu welcher Zeit haben Sie persönlich das Ruder übernommen? Torsten Diehn: Das war im Jahr 2001 und die Aufgaben, die das Team damals zu lösen hatte, waren schon enorm: Eine nicht „ganz“ optimale Bausubstanz mit 48 % Leerstand galt es weiter in Form zu bringen und zu beseitigen. Dass wir heute so weit gekommen sind, daran war damals nicht zu denken. Aufzüge und Fußbodenheizung waren in den Gründerzeitbauten damals unvorstellbar.

Dann kam die Zeit der Abwanderung dazu. Was hat das konkret für Wittenberge bedeutet? Torsten Diehn: Seit der Wende hat die Stadt etwa 12.000 Einwohner verloren. Das hatte zur Folge, dass etwa 6.000 Wohnungen weniger gebraucht wurden. Wie in vielen anderen ostdeutschen Städten auch wurde daraufhin ein Stadtumbaukonzept entwickelt, welches natürlich viel mit Rückbau zu tun hatte. Der Rückbau war für die Akteure aufwendig und teuer, denn man bezahlt quasi Geld dafür, seine Immobilienwerte zu vernichten. Er hat inzwischen knapp die Hälfte des für Wittenberge geplanten Volumens erreicht. Schwerpunkt waren dabei unsere Bestände, in denen wir bisher 75 % des geplanten Rückbaus umgesetzt haben. Von den zur Zeit noch 2.700 WGW-Wohnungen werden bis 2030 vorraussichtlich noch 600 abgerissen. Aufgrund der besonderen Förderbedingungen im Land Brandenburg konnten die anderen Eigentümer diese Quote noch nicht erreichen. Das integrierte Stadtumbaukonzept wird derzeit fortgeschrieben. Es soll künftig neben städtebaulichen und wohnungswirtschaftlichen Belangen wirtschaftliche Aspekte stärker einbeziehen. Auch die Bürgerbeteiligung soll wieder verstärkt werden.

Das heißt, Sie haben Ihre Aufgabe fast erfüllt? Torsten Diehn: Ja, so ähnlich hatte ich mir das in den Neunzigern auch vorgestellt. Irgendwann ist man eben mit der Sanierung fertig. Mit den Erfahrungen aus vielen Sanierungsobjekten haben wir gelernt: Man ist nie fertig. Die Produkte oder eben Wohnungen werden ständig weiterentwickelt, um sie marktgerecht zu machen, gerade in den Regionen, wo ein Überangebot herrscht. Eine neue Aufgabe des Unternehmens hat sich übrigens mit dessen Konsolidierung ergeben: Die Förderung von Vereinen, Sportklubs, Events und des städtischen Lebens. Hier leisten wir jedes Jahr gern unseren Beitrag und beteiligen uns mit relevanten Medien selbst daran.

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